tag 7 - der horus-tempel in edfu

nach der nächtlichen passage der schleuse von esna legten wir am frühen morgen in edfu, 100 km südlich von luxor, an. der tempel ist dem falkenköpfigen (bzw falkengestaltigen) gott horus geweiht. an dieser stelle ein abstecher in die altägyptische mythologie:

aus eifersucht auf seinen beliebteren und durch den gemeinsamen vater geb bevorzugten bruder osiris brachte seth diesen um: er fertigte einen sarkophag nach seinen maßen und bei einer feierlichkeit liess er alle gäste probeliegen. als man rausfand das osiris perfekt in den sarkophag passt, liess seth ihn verschliessen und im nil versenken. osiris schwester isis fand den sarg nach langer suche, woraufhin seth die leiche seines bruders in vierzehn teile zerstückelte und in ganz ägypten verteilte. isis fand alle teile bis auf den phallus wieder, den ein fisch im nil gefressen hatte. die restliche teile wurden vom schakalköpfigen anubis mumifiziert, der seither als gott der mumifizierung gilt. den fehlenden phallus bildete isis aus lehm nach und zeugte mit dem so wieder vollständigen körper ihres bruders den gemeinsamen sohn horus der daraufhin rache für die ermordung seines vaters schwor. seth gilt seither als gott der wüste und des chaos, osiris als gott der fruchtbarkeit und des totenreiches.

am standort des tempels in edfu soll horus einen seiner grössten kämpfe gegen seth bestritten haben, so dass edfu zum hauptkultort dieses gottes wurde. er galt als der vater des jeweils regierenden pharaos und war damit das symbol des königshauses. er wurde von den ptolemäern herrschaft in ägypten mit alexander dem grossen 332 v.chr. begann) ließen die ägypter ihre alte religion und kultur weiterführen und förderten diese sogar um keinen aufruhr zu provozieren. von 237 bis 147 v.chr. erbaut. die griechisch-mazedonisch-stämmigen ptolemäer (derenlange zeit war der tempel mit sand und nilschlamm bedeckt, so dass nur in etwa der in zwei mauern geteilte abschnitt des grossen pylons herausragte. erst um 1860 ließ ihn ein französischer ägyptologe komplett freilegen.

hinter dem wirklich sehr eindrucksvollen 70 m breiten und 32 m hohen ersten pylon (bild 1), der von zwei horus-abbildern (bild 2, horus ist der in der mitte) bewacht wird, erstreckt sich ein riesiger kolonnadenhof und dahinter einige hallen und räume mit bis zur decke mit reliefs verzierten wänden (bild 3). hier liegt auch das allerheiligste des tempels wozu u.a. die prozessionsbarke des gottes (bild 4) gehört. eine andere interessante besonderheit im inneren des tempels ist ein wasserstandsanzeiger des nils, mit dem sich früher schon voraussagen ließ ob im jeweiligen jahr genug, zuviel oder zu wenig wasser die felder am nilufer überschwemmen wird und der bis heute den wasserspiegel des flusses korrekt anzeigt.

Kommentare

Michelle hat gesagt…
ja ja,... der Wasserspiegel. Die Jungs hätten beim Bau mal an ne Lichtquelle zum Ablesen denken können!